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Essverhalten und gesunde Ernährung

Bei all den wissenschaftlich abgesegneten Vorschriften zur gesunden Ernährung können wir bald gar nicht anders, als uns schlecht zu fühlen. Wir fühlen uns täglich schuldig. Schuldig schon wieder etwas „Falsches“ gegessen zu haben. Klagen uns an, nicht diszipliniert genug zu sein. Verbotenes nicht lassen zu können. Bestimmte Nahrungsmittel werden als ungesund, ja gradezu als Gift deklariert, und so betrachten wir unser Verlangen auf dieses Essen als schlecht. Und weil wir etwas Schlechtes wollen, halten wir uns schließlich ebenfalls für schlecht. Wir bestrafen uns mit Gewissenspein oder versagen uns innerlich zerrissen den begehrten Genuss. Muss nicht sein, oder?

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Zweifellos kann man seinen Geschmack schulen, sagen wir lieber,  seine Genussfähigkeit verfeinern. Aber das ist etwas anderes, als sein Essverhalten von Schuldgefühlen steuern zu lassen. Selbstverständlich kann die Ernährung gesund oder krankmachend ausgerichtet sein. Aber dennoch kann man zum Beispiel nicht sagen, daß Zucker, Schokolade oder Burger moralisch verwerflich sind. Sie haben bestimmte Eigenschaften und entsprechende Konsequenzen. Punkt. Sie brauchen weder verteufelt zu werden, noch müssen wir uns vor ihnen schützen. Wir brauchen lediglich  nachzuspüren, was passiert, wenn wir essen. Wie fühlen wir uns, wie geht es uns ein paar Stunden oder Tage später?

Mit Genuß zur gesunden Ernährung
Mit Genuß zur gesunden Ernährung

Sobald wir wir uns die Erlaubnis geben, ruhig alles zu essen, was uns in den Sinn kommt, verliert sich schon mal die Lust auf Verbotenes. Unsere Gedanken kreisen nicht mehr ständig um das Sündigen. Wir können ganz gelassen nachschmecken und -spüren, was das Essen mit uns macht. Die Fixierungen lösen sich, unsere Angst vor der Selbstverurteilung verschwindet und wir können in Ruhe erfahren, was uns heute, genau in diesem Augenblick wirklich befriedigt. Kekse brauchen nicht mehr unterm Bett, Schokoriegel nicht  tief im Badezimmerschrank vor der eigenen Schwäche versteckt zu werden. Es ist alles erlaubt. Aber schmeckt es auch? Schmeckt es denn wirklich, oder vertreibt es grad die Langeweile und den Frust?

Gesunde Ernährung ist viel weniger eine Umstellung der Kost als eine innere Neuorientierung. Sich gesund zu ernähren, bedeutet vor allem, sich kennen zu lernen. Es gilt nicht, die moralischen Urteile anderer über Lebensmittel, und seien es noch so hochstehende Autoritäten, blind anzunehemen, sondern zu erfahren, wie es einem selbst damit geht. Wenn wir offen mit unseren Vorlieben umgehen, können wir bald beurteilen, welcher Zusammenhang zwischen unserem Befinden und der Nahrung besteht. Mit der Zeit lernen wir die richtigen Schlüsse zu ziehen und nehmen die Konsequenzen bereitwilliger an.

Sich gesund zu ernähren bedeutet vor allem, zu sich zu stehen. Es ist nicht schlimm, ab und zu etwas weniger Gesundes zu essen, solange wir uns nichts vormachen. Sich kennenzulernen ist nicht ganz einfach. Und so klammern wir uns nur zu gerne bequemerweise an Empfehlungen und Vorschriften zur gesunden Ernährung. Denn wir wollen Sicherheit. Wir halten uns sogar uns selbst gegenüber für inkompetent, missrauen unserem Körper und möchten am liebsten alles ganz einfach haben. Und es ist ja auch lästig, daß ein Nahrungsmittel an einem Tag für uns bekömmlich, es am nächten aber gar nicht ist. Man kann sehr wohl spüren lernen, was uns bekommt.  Doch es braucht Interesse, Vertrauen und Zeit. Vertrauen vor allem zu sich selbst. Und Vertrauen, daß dieser Weg gangbar ist und zu den erwünschen Resultaten führt.

Letztlich möchte jeder sein Essverhalten auf gesunde Ernährung umstellen, wenn er nur keine Vorschriften beachten soll. Und genau darum geht es: anzuerkennen, daß wir doch einzigartiger sind, als uns  die sich ewig wandelnden Gesetze der Ernährungslehre glauben machen wollen. Wir sind keine Körpermaschine. Nehmen wir ruhig Empfehlungen an und stellen sie mit Freude auf den Prüfstand der eigenen Verträglichkeit und des Genusses. Aber lassen wir uns von niemandem vorschreiben, was wir essen müssen, um ein gutes Selbstwertgefühl haben zu dürfen.

3 thoughts on “Essverhalten und gesunde Ernährung

  1. Danke für diese Rückmeldung. Es stimmt: Die bewusste Entscheidung für etwas ist viel wichtiger als jeder Ratgeber in Sachen Ernährung. Ich liebe meinen Haferflockenbrei am Morgen. Er streichelt meinen Magen und schützt mich; so zumindest empfinde ich diese erste Nahrungsaufnahme. In den Pausen auf meiner Arbeitstelle esse ich belegte Brötchen, Obstsalat, Quark, aber auch viele schokoladenhaltige Snacks. Gut für die Nerven, sagt man, und die brauche ich wirklich.
    An der Ruhe für die Nahrungsaufnahme muss ich noch arbeiten. Dass mir Magensäure zur Verdauung bestimmter Nahrungsmittel fehlt, halte ich für durchaus möglich. (Sauer bin ich ja leicht, aber das reicht wohl nicht für alles?! Kleiner Scherz am Rande.)
    Auffällig ist aber dennoch – und mal ganz abgesehen von meinen Vorlieben -, dass breiartige Snacks in den Regalen der Supermärkte zugenommen haben. Man denke allein mal an die vielen ‚Smoothies‘. Teuer genug sind sie auch noch, und ich möchte nicht wissen, wie viele Kalorien sie haben. Die werden nämlich bei Früchten leicht unterschätzt.
    Na – hoffen wir, dass jeder die Nahrung zu sich nimmt, die gut für ihn ist und die sein Organismus braucht. Dann kann eigentlich wirklich nichts schiefgehen.
    Ganz liebe Grüße
    Sybille

  2. Liebe Sybille,
    hier ist so viel angedeutet und unklar, daß es sehr schwer fällt mehr als Plattitüden zu formulieren.

    Wenn ich von einem Singlehaushalt ausgehe, dann geht es wohl nicht nur Über-50.Jährigen so, daß sie mehr essen, als die Zuhause zubereiteten Speisen, sprich, das Essen ist meist abwechslungsreicher, als die Wahrnehmung erscheinen läßt. Und dann ist „Breikost“ völlig unproblematisch. Handelt es sich jedoch tatsächlich um fast zwangsweise Einschränkung, weil anderes nicht mehr vertragen wird, dann mußt Du zB prüfen lassen, ob es nur akzeptable Unlust ist, Fleisch zu essen, oder ob diese Abneigung daher rührt, daß nicht mehr ausreichend Magensäure produziert wird, und tierisches Eiweiß nicht mehr richtig verdaut wird. Ein leider nicht seltenes Vorkommen bei höherem Lebensalter, das aber durchaus ohne Medikamente gebessert werden kann.

    Stress ist für die Verdauung tödlich. Da hilft nur Ursachenbewältigung und keine Ernährungsumstellung. Meist reicht schon, in gemütlicher Runde zusammenzusitzen, um den Apettit und eine gute Verdauung anzuregen.

    In eine neue Lebensphase einzutreten, den Wechsel zu erfahren, bedeutet meist auch Wandlungen anzunehmen. Nicht leicht, und daher sollte man dabei auch gnädig mit sich sein. Und nicht so viel über das „Sündigen“ grübeln. Jeder Ernährungsberater kultiviert sein ganz spezielles Sündenregister. Die eingebildete Eßsünde ist deswegen noch lange keine. Höchst sündhaft ist jedoch, sich für den Genuß keine Zeit zu nehmen. Wie soll da der Stress verschwinden?

    Korrektur: Sündhaft ist die ganz falsche Bezeichnung. Mag diesen Begriff garnicht, merke es nur nicht immer, wenn er mir angetragen wird. Es ist einfach schade seine Energie nicht entschieden auf die Freude gelenkt zu haben. Warum nicht mit Vorfreude das Essen zubereiten, sich die wohlkomponierte Geschmacksvielfalt vorstellen und auf den Genuß freuen? Essen ist zum Glück meist viel mehr als nur satt zu werden. Sich für das Schöne zu entscheiden, ist weit mehr eine Frage der Einstellung, als des Geldbeutels. Muß vielleicht etwas eingeübt werden, muß aber vor allem gewünscht sein.

    Einzig und allein Duselbst entscheidest, ob Dir der Haferbrei gefällt. Von keinem „Experten“ solltest Du Dir die Freude daran nehmen lassen.

  3. Es gab einmal eine Zeit, da habe ich mich auch mit schlechtem Gewissen geplagt wegen meines Essverhaltens und meiner vielen Sünden diesbezüglich. Das ist längst vorbei. Ich bin über 50, leide unter Wechseljahrsbeschwerden, bin nervös und stehe ständig unter Stress. Für den Genuss nehme ich mir zu wenig Zeit, oft fehlt mir auch die Ruhe dazu. Allein schmeckt mir das Essen ohnehin nicht so gut wie in Gesellschaft. All diese äußeren Umstände führen dazu, dass ich eher immer befürchte abzunehmen, statt mir zu viel des Guten oder Schlechten zuzuführen. Das meiste schmeckt mir gar nicht mehr oder bekommt mir nicht.
    Geht es anderen in meinem Alter auch so? Ich glaube mittlerweile, dass ich auf dem besten Weg bin, nur noch breiartige Nahrung wirklich mit Genuss und ohne Reue verzehren zu können(Joghurt, Quarkspeisen, Milchreis, Grießbrei, Hirsebrei, Müsli). Ist das ein Zeichen des Alters? Früher hing ich an den Fleischtöpfen.
    Mit den besten Wünschen und der Hoffnung auf eine Antwort
    Ihre S. M.

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