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Medizin entdeckt immer noch Bewegung

Gegen Prostatakrebs über die Berge wandern, dem Diabetes-2 davonlaufen oder Nervenleiden wegturnen? Spiegel-online berichtet: „Der gesundheitliche Nutzen der Bewegung ist so groß, dass sie vermutlich die wichtigste Behandlung ist, die man selber durchführen kann“, haben britische Ärzte kurz vor Weihnachten in einem Editorial des „British Medical Journal“ konstatiert. Wir sind erfreut. Mal wieder eine Bestätigung dieser Tatsache. Und nun soll sogar Bewegung auf Rezept verordnet werden. Ende der Schonzeit für Patienten, die Ära der „schonungslosen Medizin“ bricht an, Schluß mit Rumhängen und Pillen schlucken? Wohl kaum.

Wenn es nicht so absurd wäre, was da die „Wissenschaft“ mit viel Brimborium und noch mehr Forschungsgelder zu entdecken geneigt ist, könnte man nur lachen. Die Erfahrungen, die die Naturheilkunde und vor allem die Traditionelle Chinesische Medizin oder das Ayurveda jahrtausendelang zu einem sehr differenzierten Heilbewegungssystem geführt hat, wird als die neueste Erkenntnis verkauft. Müssen wir uns wundern, daß kein Arzt während des Studiums angehalten wird, die Wirkungen von Bewegung am eigenen Leib zu erfahren? Zwar hat schon Georg Groddek – der Entdecker des Es und der Psychosomatik – um 1930 gefordert: „Jeder Arzt sollte auch Gymnast sein“, aber damit ist es bis heute nicht weit her. Es ist ja höchst erfreulich, daß die westliche Medizin nun verstärkt Aktivität und Bewegung als wahre Heilmittel anerkennen, sie auf Rezept verschreiben und deren Einhaltung kontrollieren will. Aber können die Doktoren wirklich davon überzeugt sein, wenn sie es nicht selber praktizieren? Vor allem: Was soll dabei für sie herausspringen? Na klar, man kann Kuren verschreiben oder die Gesellschaft für Lapplandtrips gegen den Krebs bezahlen lassen.

Qi Gong - mit Freude an der Bewegung
Qi Gong - mit Freude an der Bewegung

Wer wollte von den Funktionären schon dafür sorgen, daß sich eine tiefgreifende Gesundheitserziehung in Richtung mehr Bewegung ab Kindesalter etabliert? Sich selber das Finanzwasser abgraben? Wird zu meinen Lebzeiten nicht passieren, denke ich. Da mögen  Finanzkrise und  Gesundheitskosten noch so quälen, lieber stigmatisiert man Eltern, die ihre zappeligen Kinder nicht mit Ruhigstellpharmaka zur Schule schicken und kürzt den Sportunterricht weiter, weil tote Theorie gebimst werden muß.

Es ist  immer ein höchst undankbares Geschäft, die Eigenverantwortung zu schulen. Je mehr der Patient zu wohlverstandener Selbstständigkeit und Heilung fördernden Aktivitäten angeleitet wird, desto mehr macht sich der Therapeut selber überflüssig. Und wieviel Zeit das kostet! Anständig honoriert wird es auch nicht. Soll man sich etwa auf das Niveau eines Krankengymnasten, Masseurs oder gar esoterisch angehauchten Qi Gong Lehrers begeben?  Wozu?

Kurz: Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis die hochgelahrte Ärtzteschaft wirklich umsetzt, wovon sie neuerdings in Symposien und zumeist noch eher aus der ausländischen Fachpresse erfährt. Mehr als nur theoretisch ahnen, was es bedeutet, durch Bewegung gesund zu werden, werden die meisten nie erfahren. Sie werden es nicht wollen.  Es sei denn, sie werden selber krank. So bleibt ob dieser banalen Unausweichlichkeit ein kleiner Hoffnungsschimmer. Und die Empfehlung, den Arzt zu fragen, wie er es denn selber mit der Bewegung hält, wenn man seine Ratschläge einholt.

Vielleicht hat er ja sogar etwas Ahnung von Ernährung? Aber das ist ein anderes Thema. Da gibt’s ja auch täglich neue „wissenschaftliche“ Erkenntnisse. Wow!

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