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Qi Gong üben ist nicht Trainieren sondern Nachspüren und Qi lenken

Sich bewegen - Qi Gong üben
Sich bewegen – Qi Gong üben

Qi Gong Üben? Trainieren? Gibt es da einen Unterschied? Die Unterscheidung mag zunächst gezwungen erscheinen. Einfach gesagt: Wer Kraft oder Schnelligkeit trainiert, wird sich um die Feinheiten eines Bewegungsablaufs meist keine Gedanken machen. Beim Qi Gong üben jedoch – oder Übungssystemen, die eine Form, also einen festen Bewegungsablauf vorschreiben – erreicht man mit schlichten Wiederholungen einer Bewegung nicht viel. Das unumgängliche Beachten der Ausführungsqualität einer Bewegung oder Form nenne ich hier Üben. Man trainiert dagegen in meinem Sprachgebrauch, wenn zB 5 Sätze à 25 Liegestütz vollzogen werden.

Kommt man vom Mannschaftssport oder einer Einzeldisziplin so wird man den Begriff des “Übens” eher nicht verwenden. Trainieren und Spielen geschieht frei oder in Vorbereitung eines Wettkampfs. Das Training ist auf ein messbares Ergebnis ausgerichtet. Man will schnellere Zeiten, bessere Schlagtechniken oder mehr Tore erreichen. Selbst wenn nur zum Spaß gespielt oder gelaufen wird, haftet dem Sport, den man trainiert ein Element des Wettbewerbs an.

Wer dagegen Qi Gong übt, geht völlig anders vor. Der Übende ist grundsätzlich für sich allein. Nicht, daß man nicht auch gemeinsam mit anderen in einer Gruppe Qi Gong üben könnte, aber dennoch ist man beim Üben für sich. Man ist in dem Sinne allein, daß man mehr seiner Bewegung nachspürt, als daß man mit der Bewegung ein Ziel erreichen will. Das geht soweit, daß man gar keine Bewegung mehr ausführt und zB wie beim Stillen Qi Gong lediglich seiner Fokussierung nachspürt.

Einfache Bewegungen beim Qi Gong üben sind nicht simpel

Qi Gong üben am Strand
Qi Gong üben am Strand

Meist beginnt man das Üben des Qi Gongs mit einfachen Bewegungen eines festgelegten Bewegungsablauf, also einer so genannten Form, die aus mehreren Bewegungsbildern besteht. Ein Bewegungsbild ist zwar einfach, oft sogar sehr einfach gehalten, es spricht jedoch oft mehrere Gliedmaßen oder Körperregionen gleichzeitig an. Und genau hier liegt die Komplexität, die das scheinbar so einfache des Qi Gongs so anspruchsvoll macht.

Versuchen Sie gleich mal folgende Übung:

  • Rücken Sie mit ihrem Stuhl soweit vom Tisch und Ihrem Computer weg, so daß Sie Ihre Arme bequem vor sich heben können oder stellen Sie sich bequem hin.
  • Heben Sie jetzt den rechten Arm mit herabhängender Hand bis genau in Schulterhöhe und lassen dabei den linken Arm ganz und gar entspannt hängen.
  • Nun wechseln Sie die Positionen der Arme mit einer gleichmäßigen und sanften Bewegung. Dabei sollten die Endpunkte der Bewegung absolut gleichzeitig erreicht werden. Wenn das linke Handgelenk mit entspannten Fingern die Schulterhöhe erreicht hat, sollte die rechte Hand ihre maximale Entspannung im tiefsten Punkt erreicht haben.
  • Probieren Sie die synchrone Bewegung ein paar Mal ganz, ganz ruhig.
  • Versuchen Sie es auch mit geschlossenen Augen und intensivieren so das Nachspüren.

Selbst ohne Spiegel werden sie schnell feststellen, daß Sie die Endpunkte beider Armbewegungen nicht gleich synchron erreichen können. Meist besteht auch keine so ausgeprägtes Selbstwahrnehmung, daß mit den Handgelenken genau die Schulterhöhe erreicht wird. Ihre Wahrnehmung entspricht also nicht genau dem was sie tun. Diese Diskrepanz besteht bei jedem, aber nicht im gleichen Maße. Je genauer Sie gleichzeitig beide Endpunkte ansteuern können, desto geübter sind Sie im Nachspüren Ihrer Bewegung. Um so genauer können Sie Spannung und Entspannung sich selbst regulieren lassen.

Qi lenken – Die Langsamkeit der Bewegung dient dazu, die Aufmerksamkeit fokussieren zu können.

Im Qi Gong wird versucht, genau dies zu erlernen. Es geht nicht nur um das Erlernen einer ach so sanften Bewegungsabfolge. Die Langsamkeit der Bewegung dient lediglich dazu, die Aufmerksamkeit leichter fokussieren zu können. ZB auf das Loslassen eines Gelenks, die Ausrichtung eines Armes, das entspannen des Nackens und vor allem die Gewichtung im Stand. Nachdem eine Form mit verschiedenen Bewegungsmustern ohne Vorbild alleine ausgeführt werden kann, nimmt man die Betrachtung des Atems hinzu. Ein Fortgeschrittener wird auch die Achtsamkeit auf das Gedankenspiel einbeziehen. Qi Gong kann je nach Übungsvorgabe sehr weit oder auch sehr kurz reichen. Wie Qi Gong geübt wird, hängt einzig von der inneren Ausrichtung ab, der man sich jeweils zu Beginn des Übens – bewußt gemacht oder nicht – verschrieben hat.

Das beschreibt auch die Übersetzung zu „Qi Gong“ – nämlich “Arbeit an/mit der Energie bzw dem Fließen der Energie”. Der Übende kann mit Qi Gong seine Muskulatur und seine Flexibilität stärken und verbessern. Er damit aber auch seinen Geist “trainieren” und ganz mental üben. Qi Gong üben kann also rein körperlich oder ganzheitlich leibhaft ausrichtet sein. Es kommt einzig darauf an, was man beim Üben im Sinn hat. So kommt wie absichtslos das Meditieren hinzu.

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